Meine Arbeiten verstehen sich als Metaphern auf das Leben – geführt aus meinem tiefen Interesse für die spirituelle Ebene unseres Daseins. Viele der sakralen Arbeiten entstehen in der Auseinandersetzung mit religiösen Räumen und aus dem Bedürfnis, diese Räume zu erkunden.
„Kann sich das Göttliche im Kunstwerk offenbaren? Wo ist die Schnittstelle zwischen dem was man Sehen und dem was man nur erahnen kann? Die Künstlerin Hilde Chistè geht in ihren Arbeiten diesen Fragen nach. Ihre Bilder heißen „Öffnung“, „Heilig-Geist-Zyklus“ und „Heilige des Lebens“ und zeugen von einer tiefen Auseinandersetzung mit spirituellen Themen, vor allem aber mit dem Leben selbst. (…) Die intensive Farbigkeit vermittelt Energie und Kraft, ebenso wie die Intensität des Pinselschwungs, der den Betrachter unvermittelt erreicht.“
Kirche, Mag. Verena Konrad, 2005
Pfingsten
1992 – 1993
Die Entstehung dieser Bilderserien begleitete eine intensive Auseinandersetzung mit dem Heiligen Geist in Textquellen, uralten Gebeten wie der Pfingstsequenz und Liedtexten. Ausgewählte Worte bezeugen die Anwesenheit des Heiligen Geistes in dieser Welt – was sich auch in den Titeln der einzelnen Werkgruppen widerspiegelt.
Losgelöst vom klassischen Symbol der Taube wird Gottes Geist hier als Ruach (hebr.) erfahrbar: eine Lebensdynamik, die in Bewegung und Beziehung setzt und aus der Enge in die Weite, vom Dunkel ins Licht führt.
Komm herab, o Heiliger Geist
1992
In dieser Werkgruppe wird die lebenserhaltende und lebensspendende Ruach, die neu beseelt und so Lebendigkeit und Ganzheit schafft, als ein ständiges Ereignis und als Aufforderung begriffen, mit diesem Licht in Beziehung zu treten. Hier lassen sich Gestalten erkennen, die sich dem Licht entgegenstrecken, sich dafür öffnen, sodass sie selbst ganz davon erfasst werden und auf ihre Umgebung ausstrahlen.
Der Geist des Herrn
1992 – 1993
Die letzten Bilder der insgesamt vier Werkgruppen mit dem Titel „Der Geist des Herrn“ zeigen einen Prozess des einbrechenden Lichts der immer weiteren Verschmelzung, bis schließlich bei den letzten Bildern Licht und Dunkel völlig ineinander verwoben sind. Das Licht hat sozusagen das ganze Dunkel erfasst und ist in bewegenden, erregenden, kraftvollen, dynamischen Austausch getreten.
Ostern
1994
In der frühen Kirche wurde Ostern als Einheit von Leidensgedächtnis und Auferstehungsfeier in der Osternacht begangen.
Die beiden Bildthemen – Tod und Auferstehung – werden hier zu einer dynamischen Gesamtbewegung zusammengeführt und gesteigert, um der Hoffnung auf Erlösung Ausdruck zu verleihen.
Die Heilige des Lebens
1999
Der Bilderzyklus „Die Heilige des Lebens“ entfaltet eine kraftvolle Vision, die das Kosmische mit dem zutiefst Menschlichen verwebt. Im Zentrum steht die apokalyptische Himmelsfrau als Ankerpunkt des Trostes, umspült von einer aufsteigenden Farbbewegung, die sich wie ein schützender Flügelschlag um die Szenerie legt. Von der himmlischen Sphäre des Erzengels Michael und des Lammes führt die Komposition hinab in die konkrete irdische Geschichte: In der Gestalt einer gebärenden Frau wird das Göttliche im Menschlichen sichtbar. Die Arbeit macht spürbar, dass die Geburt des Heiligen kein fernes Ereignis ist, sondern dass in jedem Werden und Vergehen das Leben selbst geheiligt wird. Ein integratives Werk, das Maria als Hoffnungsgestalt feiert und den Betrachter zur meditativen Verbundenheit mit allem Kreatürlichen einlädt.
Der Bilderzyklus „Die Heilige des Lebens“ ist für einen Meditations- bzw. Kirchenraum konzipiert.
Messgewänder
1997 | 2007
„…Im Messgewand lässt sich ein modernes Gemälde sehen, das aber nicht einfach an der Wand hängt und sich in den Grenzen eines Rahmens einbehält, sondern das auf den Schultern seines Trägers den Raum durchmisst, das in Bewegung ist und im Verlauf der liturgischen Handlung seine Wirklichkeit und Vielgestaltigkeit entfaltet.
Betrachten wir das Kleid mit Ruhe, so erkennen wir in ihm gleichsam eine Melodie der Farben, welche in der farblichen Verschiedenheit der den liturgischen Zeiten und Anlässen angepassten Stolen das melodische Grundthema in einzelnen Fugen variiert.
…Indem das Kleid Chistès gemäß seiner Abstraktheit nicht von sich her autonome Kunstaussage sein will, sondern – umgekehrt – in das liturgische Geschehen einstimmt, darf es unter den vielen Versuchen einer modernen künstlerischen Behandlung sakraler Themen als besonders geglückt erachtet werden. “
Marus Illmer, Arch., 2006
Meditationen
2010
Das Außen loslassen,
In die Mitte kommen,
die Leere aushalten, ohne sie zu füllen,
die inneren Stimmen verstummen lassen,
die Schönheit der Stille genießen,
das Unergründliche erfahren,
vom Leuchten der Mitte beschenkt werden.
Eine Bewegung zur Mitte hin – Leere – Unergründlichkeit – Licht
Festkerzen
2016 – 2022
Was mit persönlichen Geschenken für Hochzeiten und Taufen im Familienkreis begann, ist zu einer Passion gewachsen: Heute gestalte ich individuelle Kerzen für besondere Lebensmomente und kirchliche Feste wie Ostern. Jedes Stück ist ein handgefertigtes Unikat.
Dabei besinne ich mich auf eine jahrtausendealte Tradition: die ägyptische Enkaustik-Technik. Bei dieser besonderen Malweise werden Farbpigmente in flüssiges Wachs gebunden und heiß auf die Kerze aufgetragen. So entstehen lebendige, strukturierte Kunstwerke, die ich gerne nach Ihren individuellen Wünschen anfertige.
Sendung
2024
Die Bildergruppe „Sendung“ thematisiert die Dynamik von Berufung und Sendung. Gezeigt werden Gestalten, die sich dem Licht entgegenstrecken, sich dafür öffnen, sodass sie selbst ganz davon erfasst werden und auf ihre Umgebung ausstrahlen – erfasst von der Lebensdynamik des Heiligen Geistes.
Speckbacherstraße 4,
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